Nähgarn

Nähgarn

 

Viele benutzen die Wörter Garn bzw. Nähgarn, Faden und Zwirn und wissen gar nicht, worin der Unterschied liegt. Deshalb wollen wir die Begriffe erst einmal definieren.

Nach DIN 60900 ist „Garn“ ein Sammelbegriff für alle linienförmigen textilen Gebilde. Im engeren Sinne hat „Nähgarn“ die Bedeutung von „einfaches Nähgarn“. So lässt sich das Nähgarn zum Zwirn leichter unterscheiden. Als einfaches Nähgarn wird ein Gespinst bezeichnet, welches durch einen Spinnvorgang aus Einzelfasern bestimmter Länge hergestellt worden ist. Das einfache Nähgarn wird um eine (gedachte) Achse gedreht.

Werden durch Zusammendrehen (zwirnen) von einfachen Garnen ein Garn hergestellt, so spricht man von einem Zwirn. Ein Zwirn ist also immer aus mehreren (mindestens zwei) Garnen zusammengesetzt.

Das Wort „Faden“ hat sich im Sprachgebrauch im allgemeinen Sprachgebrauch eingebürgert. Gemeint sind damit einfache Nähgarne, Zwirne, Schnüre usw. Jedoch kann damit nicht die Art des Erzeugnisses gekennzeichnet werden.

Welche Arten von Nähgarnen gibt es?

Zum einen sind da, abgesehen von den Zwirnen, die Spinnfasergarne. Diese sind, je nach Rohstoff und dem daraus resultierenden Spinnverfahren, maschinell zu Nähgarnen zusammengedrehte Stapelfasern. Durch ihre Drehung erhalten sie ihre Festigkeit. Diese Stapelfasern sind entweder natürlicher Herkunft (z.B. Baumwolle und Leinen) oder Reste des nicht abhaspelbaren Seidenfadens am Kokon oder zu Stapeln geschnittene oder gerissene Chemiefasern.

Filamentgarne sind Endlosfasern, die von der Seidenraupe produziert, oder auf chemisch-technischem Weg aus Spinnmassen ersponnen werden. Ein Filament aus einer Endlosfaser nennt man Monofil. Mehrere einzelne Filamente, mit oder ohne Drehung zusammengefasst, bezeichnet man als Multifil.

In welche Richtung ist Nähgarn oder Zwirn gedreht?

Als Drehrichtung Z wird das Garn bezeichnet, wenn die Fasern im Garn bei senkrecht gehaltenem Faden in Richtung des Schrägstrichs des Buchstaben Z verlaufen. Ist es entgegen gesetzt, so handelt sich dabei um eine S-Drehung.

Nun betrachten wir die Nummerierung. An den Nähgarnen steht gewöhnlich eine Nummer, welche die Stärke eines Nähgarns angibt. I.d.R. werden Nummern verwendet, um ein Garn zu kennzeichnen.

Zur Gewichtsnummerierung wäre da zum einem das Tex-System: Titer tex. Titer tex (Tt) und der Titer denier (Td). „Tex“ ist die deutsche Bezeichnung, dennoch wird die aus Frankreich stammende Bezeichnung „denier“ benutzt. Beide Zahlen geben an, wie schwer ein Nähgarn/Zwirn mit einer bestimmten Länge ist. Somit steht 1 tex bzw. denier für 1 Gramm Garn bei 1 km bzw. 9000m.

Zu der Längennummerierung werden wiederum zwei andere Kennzahlen herangezogen. Hierbei wird angegeben, wie lang ein Nähgarn/Zwirn mit einem bestimmten Gewicht ist. Die metrische Nummer (Nm) gibt also an, wie lange das Nähgarn bei einem bestimmten Grammgewicht ist. 10 Nm bedeutet, dass 10 Meter Nähgarn ein Gramm wiegen. Je kleiner die Nummer, desto stärker, robuster das Garn. Die übliche Bezeichnung lautet: Extra Starkes Nähgarn

Die englische Baumwollnummer (NeB) baut auf der Garnlänge in „hanks“ auf, das entspricht einer Stranglänge von 840 yards und dem Gewicht in pounds (lbs).

Mit welchen Eigenschaften lassen sich Nähgarne differenzieren?

Die Eigenschaften der Nähgarne haben einen wesentlichen Einfluss auf die aus ihnen hergestellten textilen Flächen und Kleidungsstücke. Ebenfalls sind sie bestimmend für das jeweilige Einsatzgebiet des Nähgarns.

Garngleichmäßigkeit: Geringe Querschnittsschwankungen bzw. Querschnittsveränderungen (unterschiedlich dicke und dünne Stellen im Nähgarn) gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine störungsfreie Verarbeitung. Hier muss gesagt werden, dass Garne aus Spinnfasern niemals ganz gleichmäßig sein können.

Garnreinheit: Verunreinigungen durch Fremdfasern, Verpackungsteilchen, Rohstoffverunreinigungen, (z.B. dunkle Wollhaare oder Schalen) usw. verschlechtern sowohl den optischen Eindruck als auch die Qualität im Fertigungsablauf, so dass Fehler und Löcher entstehen könnten.

Garnelastizität: Die Elastizität des Nähgarns wird daran gemessen, wie sich das Garn nach einer Dehnung wieder in die ursprüngliche Abmessung zusammenzieht. Je nachdem was hergestellt werden soll, wird unterschiedlich elastisches Garn benutzt (z.B. hohe Elastizität bei Socken).

Garnfestigkeit: Gibt den Wert des Widerstandes des Nähgarns bzw. des Fadens bei einer Zugbelastung bis zum Bruch an. Nähgarne mit einer geringen Dehnfähigkeit führen oft zu Löchern in der Kleidung.

Garndrehung: Die Anzahl der Drehungen beeinflusst die Härte eines Nähgarnes und damit den Griff und das Aussehen daraus hergestellter Textilien.